Ein Tankon, was ist das denn?
Mit dieser Frage im Kopf las ich mir die Ausschreibung zum Lehrgang bei unseren Freunden in der Schweiz mal etwas genauer durch.
Ein Tankon wird auch Tanbo genannt und ist ein 40 – 60 cm langer und ca. 3 – 3,5cm dicker Einhand-Stock. Die okinawanischen Bauern nutzen ihn zur Selbstverteidigung.
Das klingt doch interessant und ist mal etwas anderes als der altbewährte Hanbo, den man sonst von den Lehrgängen bei uns kennt.
Grund genug für mich, als ich hörte, dass unser Präsident Uli und unser Vizepräsident-Sport Danny zu diesem Lehrgang in den Süden fahren, zu fragen, ob sie mich mitnehmen. Natürlich war dies kein Problem und so starteten wir am Freitag zu dritt nach Kreuzlingen. Die Fahrt verging wie im Flug und ich merkte mal wieder, wie nah doch alles beieinander liegt, wenn man ein Ziel hat, auf das man sich freut und Menschen um einen herumhat, die die gleiche Faszination teilen.
Nachdem wir am Samstag herzlich von unseren Gastgebern, vielmehr unseren Freunden, begrüßt wurden, standen alle pünktlich 10:00 Uhr auf der Tatami. Der Präsident des Schweizer Verbandes, Franz Boadella (6.Dan), welcher gleichzeitig Referent des Lehrgangs war, begrüßte die Teilnehmer und stellte auch die beiden Repräsentanten Uli und Danny vor. Danach ging es zum obligatorischen Gruppenfoto und nach einer Erwärmung, die alle ins Schwitzen brachte, hatte ich das erste Mal einen Tankon in der Hand. Durch die Kürze des Stocks empfand ich das Handling als sehr angenehm, dennoch brachte er seine Tücken mit sich. Franz erklärte und demonstrierte die verschiedenen Schlagmöglichkeiten, das Schieben und das Stechen. Dank der Pratzen musste man sich nicht all zu sehr in Zurückhaltung üben, da die Verletzungsgefahr für Uke minimiert wurde. Außerdem bekam man dadurch noch einmal ein anderes Körpergefühl für die verschiedenen Entfernungen. Ich fand es erstaunlich, was es ausmacht, wenn Uke sich durch die Pratzen fordernder bewegen kann. Mir wurde an diesem Beispiel der Unterschied zwischen einem statischen und einem dynamischen Trainingspartner noch einmal deutlich bewusst. Trotz der knapp 30Grad Außentemperatur blieben alle Teilnehmer konzentriert. Und so konnte die Einheit nach dem Mittag ohne Ausfälle fortgesetzt werden. Franz bat Uli nach der mittäglichen Stärkung als Referent die ein oder andere Sache zu ergänzen.
So zeigte Uli die Unterschiede oder eigentlich die Gemeinsamkeiten auf, wenn bestimmte Techniken mit oder ohne Stock ausgeführt wurden. Beide harmonierten auf der Matte sehr gut miteinander, was in meinen Augen zu einer entspannten, wenn auch nicht ganz schmerzfreien Nachmittagseinheit führte. Nachdem am Vormittag das Schlagen in all seinen Facetten beleuchtet wurde, wurde nun gehebelt und gewürgt. Den ein oder anderen schmerzhaften Ausruf und blauen Fleck später, schlug die Uhr 15:00 Uhr und es hieß schon wieder Tanbo beiseite und antreten. Wie die Zeit doch verfliegt!
Das Feedback war durchgehend positiv und auch ich bin sehr froh, dass ich mit in die Schweiz gefahren bin. Ich hoffe, dass ich den Tankon nicht ein letztes Mal in der Hand hatte und auch in Zukunft weitere Lehrgänge zu diesem Thema angeboten werden können.
Unsere Sportfreunde aus Bühl, welche ebenfalls ihren Weg in die Schweiz fanden, hatten für alle Kaltgetränke mit, was nach den anstrengenden Stunden und den hohen Temperaturen wie gerufen kam. Auch hier ist für mich wieder ersichtlich, dass diese Lehrgänge nicht nur dazu da sind, um auf der Matte zu stehen und das Vorgezeigte abzuarbeiten, sondern auch das freundschaftliche Miteinander und der wertschätzende Umgang untereinander ein wesentlicher Bestandteil des Budo sind, welche ich auf solchen Lehrgängen nicht mehr missen möchte.
Abgerundet wurde das Ganze für Uli, Danny und mich, durch ein gemeinsames Abendessen bei malerischer Kulisse zusammen mit Franz, seinem Vater, Fritz und Markus.
Ein entspannter Ausklang, bevor es dann am Sonntag wieder knapp 600km in die Heimat geht.
Mein persönlicher Dank an Franz, Fritz und Markus für den wirklich schönen Samstag, so dass man sich selbst fernab der Heimat, immer ein bisschen wie zu Hause fühlt.
Ich freue mich aufs nächste Mal!
Theresa Focke
Dojo Shugyo



























